Olli
28.03.2010 18:18
Wer viel zu schreiben hat, der versucht nur, nicht durch treffende Argumente, sondern durch verwirrendes Geschwätz andere aber vor allem sich selbst von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen. Ich für meinen Teil höre nur meine Stimme gern (und lese mein Zeug mit Vorliebe) also haben sie etwas Geduld mit mir. Und wer kurze hohle Frasen von sich gibt, wie "Fürs Vaterland." oder "Für die Umwelt", hat noch lange nicht Recht.
@Oli(von der Gegenseite) und Michael(der eigentlich auf diese Seite gehören würde): Niedrigere Reisegeschwindigkeiten führen zu einer höheren Verkehrsbelastung. Fakt ist: Wer langsamer fährt, ist länger auf den Straßen unterwegs.
Beispiel(idealisiert,ohne Autobahn): Autofahrer A und B brauchen 1h zu ihren Arbeitsplätzen. As Schicht beginnt um 8uhr Bs um 9Uhr. Beide benutzen dasselbe Straßennetz. A fährt um 7Uhr los und kommt um 8 an. Zu diesem Zeitpunkt fährt B los. Durchschnittliche Belastung des Netzes von 7-9uhr: 1 Auto.
Jetzt zwingt man beide langsamer zu fahren mit dem Ergebnis, dass jeder jetzt 1h und 10m braucht. Beide fahren 10m eher los, also um 6:50Uhr und 7:50Uhr. Zwischen 7:50Uhr und 8Uhr sind also beide Gleichzeitig unterwegs, sehen sich wohl möglich...ist noch nie vorgekommen. Sie sind verwirrt, *krach* Unfall, Blechschaden. Was hat das Tempolimit gebracht außer Unglück und Zorn?
Scherz beiseite: zwischen 7 und 9Uhr hat sich die Straßennetzbelastung auf Durchschnittlich 1,083 Autos erhöht, in einem kurzen Rushhourzeitraum verdoppelt. Bei zwei Autos ist das sicher nicht viel, aber jetzt auf hunderte oder tausende Reisende und einen verkehrsstarkem Gebiet, wie etwa in anderen Posts angegebenen Stücken der A2, die keine höhere Belastung mehr verkraften, ist das Unklug. Jedoch wird werden 130km/h an solchen Stellen kaum erreicht und ist in diesem Zusammenhang (wiemir gerade auffällt) für keine Seite ein relevantes Argument.
Umweltschutz wäre ein Argument, wenn nicht da sowieso die Zusatzbelastung durch die Industrie wäre, in der das ziemlich untergeht. Zwar zählt jedes Bisschen, aber das ist...naja. Es wird nichts am Ausgang der Geschichte ändern. Was Autos betrifft bewirken neue Antriebstechnologien da mehr. Aber Umweltschutz ist ein pro-Argument,was man nicht kippen kann. Es ist nur nicht so relevant in diesem Zusammenhang und könnte eine falsche "Aber wir haben etwas gemacht"-Stimmung erzeugen und eine "Wir haben soviel verschiedenes gemacht und es hilft alles nix"-Verdrossenheit aufbauen. Umweltschützer können zwar an verschiedenen Fronten kämpfen, sollten sich aber überlegen, ob die Investierte Kraft nicht vielleicht doch wo anderes besser gebraucht werden könnte.
Das einzige gültige und erkannte Argument ist in meinen Augen die Verkehrssicherheit. Und wie wohl schon belegt wurde, ist die Anzahl der Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit im Schnitt nicht höher als in Ländern mit Höchsttempo. Leider kein Argument, dass direkt gegen ein Limit spricht, aber auch keines dafür!
Vielleicht wurde es von den einen oder anderen belächelt, aber das, frei nach der Harald Schmidt Show: "Denn langsames Autofahren ist langweilig und deswegen Gefährlich!"-Argument stimmt tatsächlich. Wer langsamer fährt ist länger unterwegs (oben schon mal erwähnt) und mit dem Autofahren lässt langsam die Konzentration nach. Beispiel (aus dem Leben): Ich bin mal Abends zu einer 90min-Fahrt aufgebrochen und hatte nicht mitbekommen wie Müde ich eigentlich schon war. 60min lang war alles klar und dann tilt. Meine Konzentration ließ innerhalb von Minuten spürbar nach. Ich musste Runter von der Autobahn und mich erst mal ausruhen. (Vorbildlich, ich weiß.) Solche Situationen werden mit einem Tempolimit an Häufigkeit zunehmen. Wenn man die Gelegenheit hat eine Autofahrt gefahrlos zu verkürzen (und das Cruisen nicht an sich der Grund für die Fahrt ist), dann sollte man sie wahrnehmen können. Man sollte mal nach einer Statistik schauen, die die Unfälle durch Übermüdung/Unaufmerksamkeit auflistet.)
150-160km/h bei guten Bedingungen sind eine feine Sache. Und wer 200km/h fährt und sich dabei unangemessen Verhält (, weil die Situation gefahrenloses Fahren mit dieser Geschwindigkeit nicht zulässt, er also automatisch andere bedrängt), der braucht kein Tempolimit, um gegen das Gesetz zu verstoßen. Der tut das auch so.
Noch ein Argument, das aber nicht angesehen ist: Keine Geschwindigkeitsbegrenzung wird nicht ohne Grund so leidenschaftlich verteidigt. Dieses Phenomän wurde schon auf der Gegenseite schon als "Potenzersatz" bezeichnet, ich nenne es lieber "Freude am Fahren". Mit Rasern, die nur aus Spaß aufs Gaspedal drücken und dabei andere gefährden, habe ich keine so große Sympathie, aber es ist nun mal war, dass wenn man schneller fährt auch Spürt, dass man schneller voran kommt und das steigert bei mir die Lebensfreude. Wenn man niemanden in Gefahr bringt, so sollte man zumindest auch die Psychologie nicht außer acht lassen. Man bestimmt selber wie schnell man fährt und bekommt es nicht vorgeschrieben. Ich mag diese Freiheit und, ich gebe es zu, das ist der Grund, warum ich es so ungern aus meinem Leben verschwinden sehen möchte. Nur der Umweltschutz macht mir ein schlechtes gewissen. Aber solange neue Antriebe so schleppend auf den Markt kommen, weil man aus den Verbrennungsmotor noch das letzte bisschen Gewinn quetschen möchte und der Staat es nur bis so und soweit unterstützt (Schärfere Vorgaben wären nicht schlecht!), finde ich das hypokratisch. Nur weil Umweltschutz nicht in deren Konzept gepasst hat, obwohl ein Markt bereits vorhanden war, soll ich das jetzt mit einem Stückchen meiner Lebensfreude bezahlen? Zudem noch, obwohl das was ich damit erreiche wahrscheinlich keinen Unterschied macht? Das ist zwar verbittert und ... ja trotzig, wie ein kleines Kind, aber lieber schnüre ich mir einen Bombengürtel um und renne in ein Kohlekraftwerk.
(@Moderator: Wenn ich zu deutlich Worte gewählt habe, editieren sie sie ruhig weg.)
Zu guter Letzt: Was weg ist, ist weg. Oder glaubt jemand, dass wenn man im Nachhinein erkennt, dass es nichts gebracht hat, ein Limit einzuführen, außer dass man seinen Bürger etwas mehr Selbstständigkeit genommen hat oder wenn die Unfallzahlen sogar um ein Prozent gestiegen sind, dass das Limit wieder Aufgehoben wird?
Max
15.11.2009 16:42
Es ist erwiesen, dass sich die Umweltbelastung und Lärmbelastung bei einem Tempolimit nicht sonderlich reduzieren würde. Mein 2.0 FSi verbraucht auch bei 200KM/h nur etwa 10L. Die Regierung sollte, wenn es dann wirklich um den Umweltschutz gehen soll, lieber solche Fahrzeuge unterstützen. Auch die Unfallzahlen würden sich nich erheblich senken, denn auf den Autobahnen passieren erwiesenermaßen die wenigsten Unfälle. Und die wenigen Unfälle auf der Autobahn sind zum nahezu 100% auf Müdigkeit und Unaufmerksamkeit zurückzuführen. Übermüdet und unaufmerksam würden nur die wenigsten Autofahrer vollgas auf der BAB unterwegs sein. Klar ist Deutschland das einizge Land, wo man noch auf einige wenigen (!) Strecken unbegrenzt Spaß haben kann, doch die Deutschen gelten allgemein auch mit als die besten Autofahrer. Viel mehr müsste man etwas gegen die permanenten Links-Fahrer machen und Leute, die unaufmerksam oder rücksichtslos auf der Autobahn unterwegs sind machen, denn davon geht die eigentliche Gefahr aus! Die Leute, die wirklich schnel fahren (>200), wissen eigentlich was sie tun und was sie sich und dem Auto zutrauen können.
Jens H.
15.08.2009 08:37
Ein Tempolimit auf den verbleibenden zwei Prozent nicht limitierter Straßen in Deutschland bewirkt eine marginale Senkung des CO2-Ausstoßes. Die Rede ist von deutlich weniger als einem Prozent. Zum Vergleich: Kraftwerke haben hierzulande einen Anteil am CO2-Ausstoß von über 40 Prozent. Stellt man die Relationen in Rechnung, wird schnell klar: Über die Abschaffung von Kohlekraftwerken, die größten CO2-Emittenten bei der Stromerzeugung, wird definitiv viel zu wenig geredet. Und über Autos, die gar kein CO2 ausstoßen, auch (momentaner Anteil der Pkw am gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland gut elf Prozent). Laut einer Untersuchung des Umweltbundesamts würde sogar bei Tempo 120 auf deutschen Autobahnen der CO2-Ausstoß nur um 0,3 Prozent gesenkt werden!